Warum muss eine Bewässerungsanlage winterfest gemacht werden und was passiert, wenn man es versäumt?

Warum muss eine Bewässerungsanlage winterfest gemacht werden und was passiert, wenn man es versäumt?

Ein automatisches Bewässerungssystem ist nur während der Vegetationsperiode nutzbar. Restwasser, das über den Winter im System verbleibt, kann Komponenten im Wert von hunderten Euro zerstören – ein Problem, das sich meist erst im Frühjahr beim ersten Druckaufbau zeigt. In diesem Artikel erklären wir, was im Winter in den Rohrleitungen passiert und warum die fachgerechte Einwinterung nicht aufgeschoben werden sollte.

Warum beschädigt Wasser das Bewässerungssystem?

Wasser ist einer der wenigen Stoffe, die ihr Volumen beim Gefrieren vergrößern. Beim Übergang zu Eis dehnt es sich um ca. 9 % aus. In einem geschlossenen Rohrleitungssystem hat dieses Volumen keinen Raum zur Ausdehnung, wodurch der Druck drastisch ansteigt – und das Material an der schwächsten Stelle nachgibt. Dabei platzt nicht das gesamte Rohr. Beschädigt werden vor allem die Stellen, an denen sich Restwasser ansammelt, wie z. B. Winkelstücke, die tiefsten Punkte der Leitungsführung sowie die Gehäuse von Ventilen und Regnern.

Warum reicht die Verlegung im Erdreich nicht aus?

Dies ist der häufigste Irrtum. Hauswasseranschlüsse werden in einer frostfreien Tiefe verlegt, die in der Regel 80 bis 120 cm beträgt. Bewässerungsleitungen werden jedoch meist nur ca. 30 bis 40 cm unter der Oberfläche verlegt – also deutlich über der Frostgrenze des Bodens.

Die Komponenten des Bewässerungssystems befinden sich schlichtweg nicht in einer frostfreien Tiefe, sodass der Frost sie in strengen Wintern problemlos erreicht.

Welche Komponenten können im Bewässerungssystem beschädigt werden?

  • Magnetventile – Im Ventilgehäuse verbleibt immer Restwasser. Es kommt zu Rissen an den Ventilgehäusen selbst sowie an deren Gewindeanschlussflanschen.
  • Regner – Das Wasser staut sich im unteren Teil des Regnergehäuses und um die Rückholfeder. Beim Gefrieren platzt das Gehäuse auf.
  • Filter – Im Filtergehäuse befindet sich das meiste Wasser; die Kunststoffgehäuse reißen unter Frosteinwirkung sehr leicht.
  • Pumpen und Druckkessel – Frostschäden verursachen hier in der Regel die höchsten Kosten des gesamten Systems.
  • Rohrleitungen – Das größte Risiko besteht an den tiefsten Punkten der Leitungsführung sowie in den Kunststoff-Fittings, in denen sich das Wasser sammelt.

Reicht ein einfaches Entleeren des Systems aus?

Nein, das reicht nicht. Bewässerungsrohre sind in der Praxis nie mit einem perfekten Gefälle verlegt, sodass durch die Schwerkraft nur ein Teil des Wassers abfließt. Der Rest verbleibt genau dort, wo er den größten Schaden anrichtet – in den Senken der Leitungsführung, in den Ventilgehäusen und in den Regnern.

Aus diesem Grund wird das System zwingend mit Druckluft ausgeblasen. Der Kompressor verdrängt das Wasser auch aus den Bereichen, die durch reine Schwerkraft nicht entleert würden. Der Anschluss erfolgt über eine Schnellkupplung oder ein Einwinterungsset mit Ventil, das in die Hauptleitung integriert ist. Bei Hausgärten wird in der Regel ein Betriebsdruck von etwa 2,5 bis 4 Bar verwendet – der genaue Wert sollte stets am Manometer überwacht werden. Alle Ventile und Armaturen im System müssen entwässert werden. Das Restwasser aus den Regnergehäusen lässt sich effektiv mit einer manuellen Absaugpumpe entfernen.

ACHTUNG: Ein höherer Druck rettet das System nicht, sondern zerstört es. Ein zu hoher Ausblasdruck beschädigt die Dichtungen und die Düsen. Wir empfehlen daher, das Ausblasen einem erfahrenen Bewässerungstechniker zu überlassen, der über die richtige Ausrüstung und das entsprechende Fachwissen verfügt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Einwinterung?

Die Einwinterung erfolgt nach Abschluss der Bewässerungssaison, jedoch zwingend vor den ersten Frösten. In unseren Breitengraden fällt dies in der Regel in den Oktober. Auf den ersten Schnee zu warten, ist definitiv zu spät – bereits eine einzige Frostnacht kann das System irreparabel beschädigen.

Buchen Sie den Einwinterungsservice mit ausreichend Vorlauf. Im Oktober sind die Terminkalender der Installationsbetriebe in der Regel ausgebucht.

Was bei der Einwinterung oft vergessen wird

  1. Oberirdische Komponenten. Außenventile, Hydranten und Gartenschläuche frieren genauso ein wie unterirdische Rohrleitungen.
  2. Tropfbewässerung. Auch Tropfrohre und Tropfer müssen entleert und eingewintert werden, um Frostschäden am Labyrinth der Tropftechnologie zu vermeiden. Zusätzlich zur Entleerung empfiehlt sich eine jährliche Spülung, um Ablagerungen zu entfernen.
  3. Steuergeräte. Es reicht aus, das Programm in den Aus-Modus (OFF) zu schalten. Der Netzstecker muss nicht gezogen werden. Batterien aus batteriebetriebenen Steuergeräten sollten jedoch für den Winter entnommen und an einem frostfreien Ort gelagert werden.
  4. Wasserquelle. Wenn Sie Wasser aus einer Zisterne oder einem Brunnen pumpen, müssen auch die Pumpe, der Vorfilter und der Druckkessel vollständig entleert werden.

Zusammenfassung

Wasser dehnt sich beim Gefrieren um 9 % aus und die Bewässerungsleitungen liegen weit oberhalb der frostfreien Tiefe. Ein einfaches Ablassen durch Schwerkraft reicht nicht aus, das System muss zwingend mit Druckluft ausgeblasen werden – und zwar, bevor die ersten Fröste einsetzen. Die fachgerechte Einwinterung ist eine einmalige Routinemaßnahme am Ende der Saison, mit der Sie teure Frostschäden und aufwendige Frühjahrsreparaturen am Bewässerungssystem zuverlässig vermeiden.

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